LRS früh erkennen: Warum die phonologische Bewusstheit der Schlüssel ist

Manche Eltern spüren schon früh, dass ihr Kind beim Sprechen, Reimen oder später beim Schreiben mehr Mühe hat als andere Kinder. Oft kommt dann von der Schule der Rat, erst einmal abzuwarten. Dieses Abwarten kostet wertvolle Zeit.
Dabei lässt sich ein Risiko für eine Lese-Rechtschreibschwäche viel früher einschätzen, als viele denken. Schon im Vorschulalter gibt es Hinweise, auf die du achten kannst. Worauf es dabei ankommt und warum ein Begriff dabei besonders wichtig ist, liest du hier.

Was LRS eigentlich ist

LRS steht für Lese-Rechtschreibschwäche. Daneben begegnen dir oft die Begriffe Legasthenie“ und Lese-Rechtschreibstörung. Im Alltag werden diese Wörter häufig gleichbedeutend verwendet, auch wenn von einer „Störung“ meist erst nach einer offiziellen Diagnose gesprochen wird.

Gemeint ist im Kern dasselbe Bild. Ein Kind hat anhaltende und deutliche Schwierigkeiten beim Lesen, beim Schreiben oder bei beidem, obwohl es genug übt und Unterstützung bekommt.

Eine einzelne Ursache gibt es dafür nicht. Bei einer LRS wirken viele Faktoren zusammen, etwa die familiäre Veranlagung oder die frühe Sprachentwicklung. Das macht das Thema so vielschichtig.

Lesen und Schreiben sind hochkomplexe Leistungen. Sie stellen hohe Anforderungen an die Wahrnehmung und an die geistige Verarbeitung. Was vielen Kindern fast nebenbei gelingt, wird für manche zu einer riesigen Herausforderung.

Der Schlüssel heißt phonologische Bewusstheit

Wenn es ein Fundament für das spätere Lesen und Schreiben gibt, dann ist es die phonologische Bewusstheit. Hinter dem sperrigen Wort steckt etwas Einfaches. Es geht um die Fähigkeit, mit den Lauten der Sprache umzugehen, noch bevor ein Kind überhaupt Buchstaben kennt.

Ein Kind mit guter phonologischer Bewusstheit hört zum Beispiel, dass sich Haus und Maus reimen. Es kann ein Wort in Silben zerlegen und mitklatschen, und es erkennt, mit welchem Laut ein Wort beginnt. Diese Fähigkeiten bilden die erste Stufe beim Lesen- und Schreibenlernen, und sie entstehen bereits im Vorschulalter.

In der Schule wird die phonologische Bewusstheit weiter gefördert. Oft ist die Zeit dafür im Unterricht aber knapp. Umso wertvoller ist es, wenn ein Kind schon vorher eine sichere Grundlage aufbauen konnte.

Frühe Hinweise, an denen sich eine LRS erkennen lässt

Eine LRS zeigt sich meist erst, wenn das Schreiben in der Schule richtig losgeht. Einige Hinweise lassen sich aber schon viel früher beobachten.

Dazu gehört, wenn ein Kind sich mit dem Reimen schwertut oder lange braucht, um Wörter klanglich zu unterscheiden. Auch Auffälligkeiten in der Sprach- und Hörentwicklung können ein früher Hinweis sein. Und wenn es in der Familie bereits eine LRS gibt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch das Kind betroffen ist.

Ein weiterer wichtiger Marker zeigt sich am Ende der zweiten Klasse. Wenn ein Kind dann noch große Mühe mit der lauttreuen Schreibweise hat, also damit, Wörter so zu schreiben, wie man sie hört, lohnt sich ein genauerer Blick.

Das Risiko für eine spätere LRS lässt sich sogar schon im Vorschulalter einschätzen. Ein Beispiel dafür ist das Würzburger Vorschulscreening mit dem Namen Laute, Reime, Sprache, das genau diese phonologische Bewusstheit prüft.

Frühe Hinweise im Überblick:

Dein Kind tut sich schwer mit Reimen oder dem Unterscheiden von Lauten.

Es gab Auffälligkeiten in der Sprach- oder Hörentwicklung.

In der Familie gibt es bereits eine LRS.

Am Ende der zweiten Klasse fällt das lauttreue Schreiben noch sehr schwer.

Wie du die phonologische Bewusstheit spielerisch stärkst

Die phonologische Bewusstheit deines Kindes kannst du ganz nebenbei stärken, ohne Druck und ohne Übungsblätter.

Wenn dein Kind bereits in der Schule ist und du dich fragst, woran du eine LRS in dieser Phase erkennst, findest du in meinem Artikel zu den fünf LRS-Anzeichen in der dritten Klasse konkrete Beobachtungspunkte. 5 LRS Anzeichen in der 3. Klasse – und was du jetzt tun kannst

Reimspiele eignen sich dafür wunderbar. Bilderbücher mit Reimen machen Spaß und schulen das Gehör für Sprache. Beim Silbenklatschen wird aus jedem Wort ein kleiner Rhythmus. Und beim Silbenwettrennen läuft dein Kind für jede Silbe eines Wortes einen Schritt, so wird aus Sprache Bewegung.

Wichtig ist dabei vor allem, dass es leicht bleibt und Freude macht. Kinder lernen am meisten, wenn sie gar nicht merken, dass sie gerade üben.

Wann eine Diagnose sinnvoll ist und wer sie stellt

Eine LRS oder Legasthenie feststellen kann nur eine qualifizierte Fachperson, etwa aus der Kinder- und Jugendpsychologie oder der Schulpsychologie. Eine solche Diagnose kann Türen öffnen, zum Beispiel für einen Nachteilsausgleich in der Schule. Eine Sache nimmt vielen Eltern an dieser Stelle den Druck. Es gibt keine typischen Legasthenie-Fehler, an denen sich die Schwäche eindeutig festmachen ließe.

Betroffene Kinder machen im Grunde dieselben Fehler wie andere Kinder, einfach sehr viel häufiger.

Und noch etwas ist mir wichtig. Nicht jedes Kind, das beim Schreiben kämpft, bekommt am Ende eine Diagnose. Trotzdem braucht es Unterstützung. Wenn dein Kind Schwierigkeiten hat, sind diese Schwierigkeiten real, ganz gleich, ob ein Befund vorliegt. Auch ohne eine festgestellte Legasthenie verdient dein Kind eine gezielte Förderung, die genau dort ansetzt, wo es gerade Halt braucht.

Weißt du, wo dein Kind beim Schreibenlernen gerade steht?

Bevor du mit gezielter Förderung beginnst, hilft es zu wissen, an welchem Punkt dein Kind tatsächlich steht. Der kostenlose Mini-Check von Lernschritte gibt dir in wenigen Minuten eine erste Orientierung. Ganz ohne Diagnose und ohne Fachwissen.

Hier geht es zum Mini-Check: lernschritte.com

Quelle zum Würzburger Vorschulscreening:

Endlich, D., Lenhard, W., & Marx, P. (2019). Laute, Reime, Sprache. Würzburger Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten (LRS-Screening). Göttingen: Hogrefe.

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