LRS-Therapie: Was sie leistet und wie sie sich von Nachhilfe unterscheidet

Viele Familien haben schon einiges versucht, bevor sie zum ersten Mal von einer LRS-Therapie hören. Sie üben mehr, buchen Nachhilfe, holen sich Übungshefte dazu. Trotzdem ändert sich wenig, und die alten Fehler bleiben. Das ist zermürbend, für das Kind und für dich.

Der Grund liegt oft darin, dass diese Wege an der Ursache vorbeigehen. Eine LRS-Therapie setzt woanders an.

Das Wort Therapie klingt zunächst nach Krankheit, und das verunsichert viele Eltern. Ganz wichtig: Dein Kind ist nicht krank. Ihm fallen nur bestimmte Fähigkeiten schwer, Schreiben und/oder Lesen, die in unserer Gesellschaft nun einmal zu den Grundfähigkeiten gehört. Genau hier setzt eine LRS-Therapie an, mit viel Ruhe und ohne dein Kind zu einem Problemfall zu machen.

Was eine LRS-Therapie von Nachhilfe unterscheidet

Nachhilfe arbeitet an dem, was gerade in der Schule ansteht. Steht nächste Woche ein Diktat an, wird für das Diktat geübt. Das hilft kurzfristig und hat seine Berechtigung. An der Wurzel der Schwierigkeiten ändert es meistens nichts.

Eine LRS-Therapie geht einen Schritt zurück und fragt, warum das Schreiben so schwerfällt. Am Anfang steht deshalb eine genaue Analyse. Wo liegen die Schwierigkeiten? Welche Grundlagen fehlen noch?

Oft sind bestimmte Vorläuferfähigkeiten noch nicht sicher. Ein Beispiel ist die phonologische Bewusstheit, also das Gespür für die Laute der Sprache. Fehlt dieses Fundament, hilft es wenig, immer neue Rechtschreibregeln obendrauf zu setzen. In meinem Artikel dazu, wie du eine LRS früh erkennst, erfährst du mehr über diese Grundlage.

Auf dieser Analyse baut die Therapie dann systematisch auf, vom Sicheren zum Neuen, immer in der Reihenfolge, die zum Kind passt.

Warum die Beziehung zum Kind über den Erfolg entscheidet

Eine LRS-Therapie ist mehr als Methodik. Kinder mit einer Rechtschreibschwäche haben bis dahin oft viele Misserfolge erlebt. Manche glauben schon nicht mehr, dass sie es je schaffen.

Deshalb beginnt gute Therapie mit Beziehung. Ein Kind lernt am besten, wenn es sich angenommen fühlt und spürt, dass jemand an es glaubt. Aus diesem Vertrauen wächst der Mut, sich wieder auf das Schreiben einzulassen.

Eine gute Therapie stärkt gezielt das Selbstbewusstsein. Ein Kind soll wieder an seine eigenen Fähigkeiten glauben und sich von der Schwäche nicht bestimmen lassen.

Stärken sehen, wo andere nur die Schwäche sehen

Ein alter Gedanke bringt es gut auf den Punkt. Wo Schatten ist, ist auch Licht. Ein Kind mit einer Rechtschreibschwäche hat immer auch Stärken, die im Frust nur manchmal untergehen.

Das eine Kind erzählt fantasievolle Geschichten, das andere findet Lösungen, auf die sonst niemand kommt. Diese Stärken sichtbar zu machen, gehört für mich zur Arbeit dazu. Sie geben dem Kind Halt, während es an den schwierigen Stellen arbeitet.

Am Ende braucht jeder Mensch jemanden, der an ihn glaubt. Für ein Kind, das beim Schreiben immer wieder an seine Grenzen stößt, kann dieser eine Mensch der Wendepunkt sein.

Warum Spaß am Lernen in der LRS-Therapie dazugehört

Für viele Kinder mit LRS ist der Spaß am Lernen längst verloren gegangen. Schreiben verbinden sie mit Anstrengung und mit dem Gefühl, zu versagen.

Mir ist ein spielerischer Zugang deshalb besonders wichtig. Wenn ein Kind über ein Spiel an eine Rechtschreibstrategie herangeht, sinkt der Druck, und es traut sich wieder mehr zu. Aus Müssen wird nach und nach ein Wollen.

Dahinter steht ein einfacher Gedanke. Lernen bleibt nur dann dauerhaft, wenn es für das Kind bedeutsam ist. Ein Inhalt, der mit einem schönen Moment verbunden ist, prägt sich besser ein als eine Übung, die nur abgehakt wird.

Wann eine LRS-Therapie sinnvoll ist

Eine LRS-Therapie ist sinnvoll, wenn die Schwierigkeiten über längere Zeit bestehen und das Kind trotz Übung nicht weiterkommt. Eine Diagnose ist dabei hilfreich, aber keine Bedingung. Auch ohne festgestellte Legasthenie kann dein Kind von einer einfühlsamen, therapeutisch fundierten Förderung profitieren. Weiterführende Informationen findest du auch beim Bundesverband für Legasthenie & Dyskalkulie e.V.

Woran du früh erste Anzeichen erkennst, habe ich in meinem Artikel zu den fünf LRS-Anzeichen in der dritten Klasse zusammengefasst.

Wo steht dein Kind gerade?

Der erste Schritt ist immer, den Lernstand deines Kindes zu kennen. Der kostenlose Mini-Check von Lernschritte gibt dir dazu in wenigen Minuten eine erste Orientierung.

Wenn du dein Kind danach strukturiert zu Hause begleiten möchtest, führt dich der RechtschreibKompass durch die einzelnen Schritte, mit einer Lernstandsanalyse und einem klaren Förderplan.

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